Öko hat Zukunft

 12. Juni 2019

Seit Anfang der 70er Jahre hat sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in etwa halbiert, und auch in den letzten Jahren ging leider das Hofsterben munter weiter.  Daher stellen sich viele Landwirte zu Recht die Frage, wie es für sie in den nächsten Jahren weitergeht. Die Entscheidung, in der Landwirtschaft „auf Bio“ umzusatteln, kann daher gerade die passende unternehmerische Antwort sein, so erfuhren die angehenden Landwirte der Klasse L3 der Abteilung Land- und Gartenbau bei ihrem Besuch auf dem Biolandbetrieb Christine und Timo Raffenberg in Ostbüren. Mit dabei waren ihre Fachlehrer Michael Löw und Harald Schulte-Düingsen sowie Christoph Drerup von der Landwirtschaftskammer NRW.  Für die angehenden Landwirte, die im Juli ihre Abschlussprüfung haben werden, sollte es bei diesem Projekttag vor allen Dingen darum gehen, zu erfahren, wie ein Biolandbetrieb agiert und sich weiterentwickelt. Angeregt worden war dieser Projekttag von Dr. Karl Kempkens von der Landwirtschaftskammer NRW mit dem Ziel, junge Landwirte über die praktische Seite an den Biolandbau heranzuführen.

Ganz verschiedene Facetten des Biolandbaus erläuterte dann auch beim Rundgang über ihren Hof Betriebsleiterin Christine Raffenberg, die über einen Bachelor in ökologischen Agrarwissenschaften verfügt. Erste Station des Rundgangs war der Maststall für Bioschweine, eine weitere Station der Futtertisch in der Biorindermast. Natürlich bekommen die Mastrinder und Mastschweine nur eine hofeigene Futtermischung aus vor Ort angebauten Ackerbohnen und verschiedenen Getreidesorten, stellte Christine Raffenberg heraus.

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Futtertisch in der Biobullenmästerei auf dem Hof Raffenberg

Selbstverständlich gehört auch die Erzeugung von Bioeiern zur Angebotspalette des Biolandbetriebes Christine und Timo Raffenberg. „Wir haben tendenziell immer zu wenig Eier, denn Bio-Eier gehen immer gut,“ sagte denn auch die junge Ökolandwirtin. Und pfiffige Ideen muss man auch parat haben. Das Hühnermobil heißt übrigens heute die Antwort der Landwirte auf den Konsumentenwunsch, Eier von Hühnern auf dem Frühstückstisch zu haben, die nach Herzenslust auf Grünflächen picken durften. Folglich steht der Hühnerstall heute mobil auf Rädern, alle zwei Wochen wird bei den Raffenbergs den Hühnern eine neue Auslauffläche zugwiesen, wenn alles Grün auf der alten Fläche abgepickt ist, und das Hühnermobil wird dann ein Stück weiterbewegt. Zwischen 3,60 € und 3,90 € müssten die Kunden allerdings auch für einen 10er-Kasten Bio-Freilandeier ausgeben, so Raffenberg. Zu einem echten Problem der Freilandhaltung von Hühnern hier in Ostbüren sei aber der Fuchs geworden, fügte sie hinzu. So seien von 500 Hühnern Stand September 2018 jetzt nur noch 440 übrig – für die meisten Verluste sei er verantwortlich.

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Christine Raffenberg informiert über die ökologische Haltung von Legehennen

Hunger hat nicht nur der Fuchs, sondern auch die Mastrinder, Mastschweine und Hühner auf Raffenbergs Biohof brauchen ordentlich Futter. Logischerweise ging es dann auch noch hinaus auf die Felder, wo auf verschiedenen Flächen neben Kartoffeln, Möhren und Getreide auch Futter für die Tiere nach Richtlinien des ökologischen Landbaues angebaut wird. „Allerdings muss ich mir beim biologischen Pflanzenbau auch ganz genau überlegen, wann ein guter Zeitpunkt zur Ausbringung der Saat ist“, unterstrich die junge Unternehmerin mit Blick auf ihre Kulturen. „Und“, so gab sie den angehenden Landwirten mit auf dem Weg, „es gibt nicht das Schema F für einen erfolgreichen Bio-Ackerbau. Man muss das mit den Gegebenheiten vor Ort ausprobieren. Es funktioniert halt nicht alles beim ersten Mal. Und es gilt auch: Es funktioniert nicht alles, was mal gut funktionierte. Das kann sich ändern.“

Äußerst angetan von diesem sehr anschaulichem Projekttag auf einem Biohof zeigten sich denn auch die angehenden Landwirte. „Das ist hier wirklich ein sehr ordentlich geführter Hof. Hier liegt nirgendwo etwas in der Ecke herum, die Geräte sind vernünftig weggeräumt“, stellte Tim (19 Jahre) fest und fügte mit Blick auf seine Zukunft hinzu: „Ich werde später voraussichtlich den elterlichen Betrieb übernehmen. Unser Betrieb ist recht klein, da stellt sich schon die Frage, ob wir mit unseren Hühnern nicht auf Bio umstellen sollten.“

Übrigens stehen für die angehenden Landwirte als Vorbereitung für die anstehende Abschlussprüfung am 17. und 18. Juli noch weitere betriebliche Exkursionen auf dem Programm: Zunächst der Besuch eines Milchviehbetriebes, dem der Besuch eines Ackerbaubetriebes folgt (hier sollen die Schüler den Sachkundenachweis Pflanzenschutz erwerben). Den Abschluss bildet der Besuch der Fachschule für Agrarwirtschaft in Meschede.

Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an alle Akteure! Den angehenden Landwirten wünschen wir viel Erfolg für die Abschlussprüfung!

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Frisches Grün für die Jungbullen (Fleischrasse: Fleckvieh)

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In den Mischkulturen von Hafer und eiweißhaltigen Ackerbohnen, die als Futterpflanze für die Bullenmast genutzt werden

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Das Unkraut in den Maiskulturen muss gar nicht „mit der chemischen Keule weggespritzt“ werden. Gegen Unkraut in Maiskulturen hilft auch Hacken und Striegeln!

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Die Schüler halten die Ergebnisse des Projekttages fest

 

(Text und Fotos: Clas Möller)

 

 

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